stso Segler Meßner S2 2017-06-26

Schreibaufgabe 2 – Huis Clos

Das Drama Huis Clos von Jean-Paul Sartre wurde 1944 in Paris uraufgeführt. Es handelt von den drei Protagonisten Garcin, Inès und Estelle, welche sich nach ihrem Tod in einem fensterlosen Raum wiederfinden. Huis clos besteht aus einem Akt, welcher in fünf Szenen unterteilt ist. Der philosophische Leitsatz des Werkes lautet „L’enfer, c’est les autres“.

1 Paratextuelle Rahmung

Peritext ist eine Erweiterung des Begriffes Paratext, welcher auch die direkte Umgebung des Ursprungstextes miteinbezieht wie das Cover, Vorworte oder den Klappentext. Bereits der Titel des Werkes Huis clos deutet auf seinen Inhalt hin. Etymologisch ist „à huis clos“ hergeleitet aus dem 16. Jahrhundert und bedeutet „à porte fermée“ oder „sans publicité“. Dabei stammt „huis“ von dem Lateinischen Wort „us“ ab, welches „porte“ bedeutet, „clos“ ist das participe passé von „clore“, was dem französischen „fermer“ entspricht. Der Titel weist damit bereits auf einen Einschluss von Personen in einen Raum hin, welcher nur durch die Tür als Scharnier verlassen oder betreten werden kann. Heutzutage hat „huis clos“ zwei Bedeutungen. Im Recht bedeutet es Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eine weitere Deutung ist „confrontation entre personnes, qui sont isolées du monde extérieur“. Bezogen auf das Werk deutet der Titel also bereits auf einen Ausschluss der Öffentlichkeit (also des Zuschauers) hin, welche die Rolle eines Voyeurs oder Richters einnimmt. Denn der Zuschauer richtet über die Figuren, nachdem er ihre Geständnisse hört. Außerdem spricht der Titel die Konfrontation der Figuren in dem Werk an, welche sich, isoliert von der Außenwelt, gegenüberstehen und sich behaupten müssen.

Weitere Peritexte sind die Regieanweisungen des Autors sowie die vorangestellte Bemerkung „pièce en un acte“. Letzteres gibt für den Leser keinen Aufschluss darauf, um welches Genre es sich bei dem Stück handelt. Allerdings wird direkt klar, dass Sartre die klassische Dramenstruktur aus dem 17. Jahrhundert nicht einhält. Diese besteht aus fünf Akten, welche jeweils Exposition, erregendes Moment, Wendepunkt, retardierendes Moment und Lösung darstellen. Das offene Ende des Stücks „Eh bien, continuons“ (51) verstärkt noch einmal die Auflösung dieser klassischen Struktur. Statt einer Lösung hat das Werk eine zyklische, nicht endende Struktur. Die Einteilung des Aktes in fünf Szenen spiegelt allerdings die klassische Dramenstruktur formal wider.

2 Handlungsstruktur

Das Werk huis clos hat von der ersten bis vierten Szene kaum Handlung. Die zweite Szene besteht nur aus Regieanweisungen, in den weiteren gibt es nur Dialoge der Figuren. Lediglich die Situationen ändern sich, wodurch huis clos als philosophisches Situationstheater bezeichnet werden kann.

Die Wiederaufnahme der 5-Akt-Struktur in der Szeneneinteilung zeigt Ähnlichkeiten zu dem klassischen Dramenaufbau. Die erste bis vierte Szene nehmen die Funktion als Exposition an, da in der ersten Szene zunächst der einzige Handlungsraum beschrieben wird sowie die ersten Figuren Garcin und der nebensächliche garçon vorgestellt werden, und in den nachfolgenden Szenen die beiden weiteren Figuren Inès und Estelle. Das gesamte Werk wechselt nie den Raum, es spielt in einem „salon style Second Empire“ (9), welcher keine Fenster besitzt und nur durch eine Tür die Verbindung zur Außenwelt behält. Es wird schnell deutlich, dass der Salon die Hölle symbolisieren soll, welche anders als in der klassischen katholischen Vorstellung nicht durch physische Qualen geprägt wird. Allerdings können die Figuren ihre Augen nicht schließen und damit der Situation, zusätzlich zur Abgetrenntheit zur Außenwelt, auch so nicht entfliehen.

3 Segmentierung der fünften Szene

Die fünfte Szene ist die längste und lässt sich wiederum in kleinere Abschnitte segmentieren. Ich werde mich im weiteren Verlauf auf die Aufteilung der Szene in Bezug auf die philosophische Entwicklung der Höllenvorstellung konzentrieren. Garcin, Inès und Estelle gestehen sich gegenseitig ihre ‚Verbrechen‘, welche sie in die Hölle brachten. Außerdem bildet sich eine Begehrenstruktur heraus, welche die Figuren aneinander bindet. Estelle hat sexuelles Interesse an Garcin, welches dieser, vor allem durch seine ‚Machohaftigkeit‘, erwidert. Garcin versucht positive Bestätigung von Inès zu bekommen, da er viel von ihrer Ehrlichkeit und Direktheit hält. Inès ist homosexuell und hat sexuelles Interesse an Estelle. Diese verabscheut jedoch die zu der Zeit tabuisierte Homosexualität und damit auch Inès. Für jede dieser Verbindungen gibt es jeweils eine Figur als ‚Störfaktor‘. Keiner der Protagonisten kann seine sexuellen Intentionen ausleben, da immer eine dritte Figur im Raum ist und diese unterbindet. Es gibt kein Entkommen aus dieser Situation, wodurch eine psychische Folter der Figuren entsteht (entgegen der physischen Folter der katholischen Höllenvorstellung). Sie bilden zusammen ein „trio infernal“, da immer eine Figur für eine andere ‚die Hölle‘ ist: „L’enfer, c’est les autres“.

4 Fazit

Abschließend wurde für mich überzeugend dargestellt, dass nicht das bloße Denken an Taten gut ist, sondern nur die Umsetzung dieser Taten einen vor der Hölle bewahren können. So wie Garcin von den anderen als Feigling betitelt wird, weil er keine guten Absichten während seinen Lebzeiten in die Tat umsetzte, hängt meine Identität von den Anderen ab, die nur meine Taten sehen. Daraus folgt, dass die Taten der Mitmenschen ebenfalls Einfluss auch mich selbst haben so wie andersrum. Meine Taten definieren mich gegenüber den Anderen. Damit stimme ich dem Leitspruch des Werkes „L’enfer, c’est les autres“ zu.

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