juha_S1_Zeller_2019_05_06 überarbeitet

Der Verbalaspekt im Russischen

Das Russische weist wie auch andere slavische Sprachen den Verbalaspekt auf. Hierbei werden zwei Aspekte unterschieden, zum einen der vollendete oder der perfektive Aspekt und zum anderen der unvollendete oder imperfektive Aspekt. Diese Verben haben die gleiche lexikalische Bedeutung, unterscheiden sich jedoch in der grammatischen Bedeutung. Diese Kategorie des Aspekts existiert nicht im Deutschen, beide Wörter des Aspektpaares werden im Deutschen mit demselben Begriff übersetzt.

Der vollendete/perfektive Aspekt kennzeichnet eine Handlung, die schon abgeschlossen ist oder einmalig aufgetreten ist. Der vollendete Aspekt bezeichnet eine Handlung, die ganzheitlich ist und darauf gerichtet ist, einen Endpunkt – zum Beispiel Abschluss oder Ergebnis – zu erreichen.  Der unvollendetet/perfektive Aspekt beschreibt eine Handlung, die andauernd ist oder wiederholend auftritt. Er beschreibt eine Handlung außerdem als Verlauf. Hierbei wird nicht vorausgesetzt, dass die Handlung einen Endpunkt zu erreichen habe, ob dies geschieht oder nicht, wird offen gelassen. [Kirschbaum 2016. 45]

Die meisten Verben im Russischen bilden den Aspekt entweder durch das Verfahren der Präfigierung oder der Suffigierung. Bei der Suffigierung werden imperfektive Verben mit Hilfe von Suffixen -yva/-iva, -va und –a gebildet, die an die Wurzel des Verbs angefügt wird. Dabei kann die Suffigierung sowohl bei präfigierten Verben wie „perepisat‘-perepisyvat‘ “ erfolgen als auch bei den nichtpräfigierten Verben wie zum Beispiel „dat‘-davat‘ “. [Clasmeier 2015. 33-34]

Als zweite Möglichkeit den Aspektpartner zu bilden gibt es noch die Präfigierung, wobei man erwähnen sollte, dass die Präfigierung weniger regelmäßig sei. Mit Hilfe dieses Verfahrens lassen sich aus nichtpräfigierten, unvollendeten/imperfektiven Verben durch das Hinzufügen eines Präfixes zu vollendeten/perfektiven bilden. Tichonov nennt in dieser Hinsicht 16 Präfixe, die bei der Präfigierung am häufigsten auftreten: “po-, s-, za-, o- / ob-, na-, pro-, vy-, u-, vz-, ot-, raz-, iz-, pri-, voz-, pere- und pod-“. [zit. nach Clasmeier 2015: 35]

Als dritte Möglichkeit lässt sich der Aspekt durch die Suppletion bilden. Diese Aspektpaare mit suppletiver Bildung haben trotz der gleichen lexikalischen Bedeutung unterschiedliche Wurzeln. Im Gegensatz zu den anderen Verfahren handelt es sich bei der Suppletion nicht mehr um eine Derivation. Als Beispiele lassen sich folgende Aspektpaare nennen: brat‘- vzjat‘, govorit‘ – skazat‘, lovit‘ – pojmat‘ usw. [ Clasmeier 2015. 38-39]

Desweiteren wird im Text von Clasmeier erwähnt, dass in einigen Fällen es möglich sei den imperfektiven Aspekt durch das Verschieben des Akzents zu bilden zum Beispiel wird aus dem perfektiven Verb “ zasýpat‘ “ die perfektive Form “ zasypát‘”. Doch sowohl die Präfigierung als auch das Verschieben des Akzents werden nicht von allen als ein Verfahren zur Bildung von Aspektpaaren akzeptiert. Dieser Meinung seien auch Isačenko und Zaliznjak, die lediglich die Suffigierung akzeptieren. Sie sind nämlich der Ansicht, dass zum Beispiel es durch die Präfigierung zur Modifikation der lexikalischen Bedeutung des Derivats kommt. Deshalb sei dann das präfigierte Derivat als Aspektpartner nicht geeignet.  [Clasmeier 2015. 34]

Außerdem sollte man die einaspektigen und die zweiaspektigen Verben nicht außer Acht lassen, da diese beiden Gruppen eine recht große Anzahl an Verben abdecken, welche alltäglich genutzt werden.  Die einaspektigen Verben besitzen keinen Aspektpartner und treten entweder nur im vollendeten/perfektiven Aspekt oder nur im unvollendeten/imperfektiven Aspekt auf. Typisch für die Kategorie von vollendeten Verben wären Verben, die mit Hilfe des Präfixes po- eine begrenzte Dauer einer Handlung beschreiben wie “ pogovorit‘, pospat‘ etc.“ oder auch Verben, die mit Hilfe des Suffixes -nu- eine einmalige und kurze Handlung bezeichnen zum Beispiel „kriknut‘, stuknut‘ etc.“. Zu den unvollendeten Verben gehören zum Beispiel die nichtpräfigierten Bewegungsverben “ vezti, vozit‘, idti usw.“ [Kirschbaum 2016. 52]

Die zweiaspektigen Verben stellen das Gegenteil zu den einaspektigen Verben dar, weil sie sowohl den vollendeten als auch den unvollendeten Aspekt charakterisieren können, je nach Kontext. Heutzutage gibt es jedoch eine Tendenz wie man zweiaspektige Verben differenzieren könnte: Mit Präfixen solle man vollendete Verben ableiten können und die unvollendeten Verben mit den Suffixen. [Kirschbaum 2016. 53]

Quellen:

Clasmeier, Christina:Die mentale Repräsentation von Aspektpartnerschaften russischer Verben, Leipzig, 2015.

Kirschbaum, Ernst-Georg: Grammatik der russischen Sprache, 1. Auflage 5. Druck, Berlin: Cornelsen, 2016.

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